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Interview mit Marcus Wiederstein

Dieser Artikel enthält ein längeres Interview mit Marcus Wiederstein. Er ist seit dem 2003 (Firmengründung 2000) in der Geschäftsführung tätig. In diesem Gespräch berichtet er über seine Anfänge bei der Comelio GmbH, seine Interessen in der Informatik, Wünsche für die Zukunft und wie er die IT-Projekte leitet.

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Interview mit Marcus Wiederstein (GF)

Wie kamen Sie zur Comelio GmbH?
Marcus Wiederstein Letztendlich war es eine ganz klassische Bewerbung für eine Stelle nach dem Studium, die ich 2003 anstrebte. Es bot sich an, beim Aufbau des Standorts in Bochum mitzuarbeiten und das Geschäftskonzept weiter auszubauen. Dies betraf damals nicht die Etablierung neuer Geschäftsbereiche als solche. Diese waren mit den Gebieten Beratung, Projekte und auch Seminare damals durchaus schon alle vorhanden und haben sich auch bis heute nicht grundlegend gewandelt. Vielmehr ging es darum, für Kundenbeziehungen, die teilweise schon bestanden, bessere Kommunikationsbeziehungen anzubieten und überhaupt die Arbeit an Projekten durch örtliche Nähe zu verbessern. Ich kann mich erinnern, dass grundsätzlich die ehemalige Geschäftsleitung zwischen dem Ruhrgebiet und Frankfurt schwankte. Möglicherweise wäre auch Frankfurt eine gute Idee gewesen, denn wir unterhalten dort ja auch ein Projektbüro, das bei Bedarf genutzt wird. Mit mir wurden dann auch verstärkt die Themen Microsoft und Oracle vertrieben. Insbesondere Oracle hatte bereits auch früher eine Rolle gespielt, weil Oracle und Java zusammen sehr gut eingesetzt werden können, doch gab es keinen direkten Vertrieb für Beratungs- und Projektdienstleistungen auf diesem Gebiet.
Hätten Sie gedacht, die Geschäftsführung zu übernehmen?
Man geht nicht automatisch davon aus, dass man die gesamte Geschäftsführung übernimmt. Dass ich maßgeblich am Aufbau des Bochumer Standortes beteiligt werden sollte, war mir von vorneherein klar, aber dass ich dann für das gesamte Unternehmen die Verantwortung übernehmen würde, konnte man natürlich damals noch nicht wissen. Eine meiner ersten persönlichen Veränderungen, nachdem ich die Geschäftsführung übernommen habe, war dann auch der Umzug nach Essen. Es liegt tatsächlich genau im Zentrum des Ruhrgebiets und ist für auswärtige Kunden interessanter. Zudem haben wir eine interessante Immobilie genau im Essener Hochhausviertel gefunden, die uns ermöglicht, einen besonders zeitnahen Serivce für unsere Kunden zu ermöglichen.
Was waren Ihre Aufgaben?
Wie schon gesagt, ging es damals neben dem Aufbau einer neuen Filiale um die Themen Microsoft und Oracle bzw. beide Datenbanken und verschiedene Server, die beide Herstellerfirmen anbieten. Dieser gesamte Themenkomplex sollte neu ins Portfolio aufgenommen werden. Dies betrifft einen großen Teil der Seminare, die damals und auch heute noch angeboten werden, aber insbesondere auch die Möglichkeit, Beratungs- und Softwareentwicklungsprojekte genau für diese Datenbanken und Server ins Angebot aufzunehmen. Mit Aufstieg der gesamten .NET-Technologie, die mich persönlich sehr interessiert, kam dann auch die Microsoft-Entwicklung mit C#.NET und VB.NET hinzu. Ich habe mich dann auch intensiv um die Zertifizierung unseres Unternehmens gekümmert bzw. die verschiedenen Partnerschaften mit Microsoft und Oracle sowie Sun vorangetrieben. Heute zahlt sich das sehr aus, wobei es damals noch nicht gang und gäbe war wie heute.
Sind die Aufgaben heute andere?
Grundsätzlich arbeite ich immer noch auch am Umsatz mit, aber die Aufgaben sind heute ungefähr zur Hälfte auch durch leitende Tätigkeiten gefüllt. Dies betrifft sowohl allgemein das Firmengeschick, Personalentscheidungen und rechtliche/steuerliche Belange. Die zweite Hälfte besteht dann aus den Tätigkeiten, für die ich ursprünglich eingestellt wurde: Leitung und Durchführung von Beratungs- und Projektaufträgen, die Ausbildung der eigenen Mitarbeiter sowie das Durchführen von Seminaren und das aktive Auftreten am Markt in Form von Veröffentlichungen und Vorträgen. Wir und auch unsere Kunden haben heute veränderte Rahmenbedingungen als früher, die sowohl zu internen Optimierungsprozessen als auch allgemeinen Umstrukturierungsmaßnahmen geführt haben. So nimmt das kosten- und qualitätsbewusste Projektmanagement heute bei uns einen viel größeren Raum ein als früher. Wir versuchen, trotz gestiegener Anforderungen weiterhin einen geordneten, entspannten und stressfreien Arbeitsalltag aufrecht zu erhalten. Dies erfordert allerdings eine erhöhte Planung und Koordination der verschiedenen Teil-Aufgaben eines Auftrags. In diese Planungsinstrumente haben wir als Geschäftsführer einen großen Teil unserer kreativen Arbeit der letzten Jahre investiert und können nun für die Firma und ihre Angehörigen die Früchte ernten.
Wie führen Sie Projekte durch?
Einige Techniken sind durchaus auch Geheimwissen und werden auch nicht in den Seminaren weiter gegeben, die zu diesem Thema von mir angeboten werden. Möglicherweise sind diese Techniken auch nicht für jede Firma nutzbar, weil sie von Köpfen lebt, die gerne Entscheidungen treffen und diese Entscheidungen in einem Klima der Diskussion und modernen Informatik treffen müssen. Wir setzen intensiv auf solche Techniken wie UML, Entwurfsmuster und kleinschrittige Aufgabenverteilung mit Hilfe von Use Cases, Dokumentation und Planung mit verschiedenen Varianten des V-Modells in seiner jeweils neuesten Fassung sowie Rapid Prototyping und – sofern gewünscht – intensive Einbeziehung des Kunden für agil geführte Projekte. Viele dieser Techniken werden von anderen Unternehmen auch genutzt, wobei wir allerdings durch intensive Mitarbeiterausbildung und eigene Arbeit an der Darstellung und Entwicklung von Techniken offensichtlich eine erfolgreiche Mischung der verschiedenen Werkzeuge gefunden haben. Die Comelio GmbH zählt jetzt nicht zu den x größten Anbietern in der Branche, aber – was für uns besonders wichtig ist – das offensichtlich in anderen Firmen herrschende Durcheinander zum Projektbeginn und –ende ist bei uns nicht zu finden. Wir legen Wert auf eine Zusammenarbeit mit dem Kunden und haben auch durchaus die Mittel und den Willen, Aufträge abzulehnen, wenn wir merken, dass wir aus finanziellen Gründen nicht die Qualität bieten können, die für das Projekt und damit auch für unser Betriebsklima und die Zufriedenheit der Mitarbeiter notwendig ist. Wir wollen in geordneter und strukturierter Weise unsere Arbeit durchführen, was durch verschiedene Kontrollmechanismen und Planungsaktivitäten gesichert wird. Ein ganz wesentlicher Trick ist dabei die Ausbildung der Mitarbeiter durch Fachkräfte wie mich, die sich selbst mit Softwaretechnik in Form von Veröffentlichungen beschäftigen und dadurch ein anderes Wissen besitzen als manche andere. Vielleicht ist es auch einfach nur ein bestimmter Unternehmensgeist, den wir bei der Comelio GmbH vorgefunden und auch über die verschiedenen Veränderungen hinweg bewahrt haben.
Programmieren Sie auch selbst?
Kurz gesagt, nein. Ich betreue die Projekte, ich gebe Arbeitsaufgaben, plane, erstelle möglicherweise den Prototyp. Meine Zeit ist allerdings normalerweise besser investiert, wenn ich durch unser Projektmanagement die verschiedenen Aufträge voran treibe und natürlich auch nach neuen Aufträgen suche. Was ich allerdings mache, ist die Ausbildung der Programmierer, die Quelltextkontrolle und auch seine Überarbeitung sowie das Beantworten von Fragen. Solange ich spontan gestellte Frage zur Implementierung, Technologieverwendung und Algorithmensuche beantworten kann, weiß ich, dass ich den Quelltext genauso gut selbst hätte schreiben können. Aber auch mein Tag ist begrenzt, und da kann man nicht gleichzeitig Aufgaben erstellen, Kundengespräche führen, eine Veranstaltung leiten und Bücher schreiben.
Gibt es Themen, die eine persönliche Bedeutung für Sie haben?
Das Stichwort Microsoft ist schon gefallen. Microsoft-Produkte und nun auch beide Programmiersprachen C# und Visual Basic sind für mich von herausragender Bedeutung, was die eigentliche Implementierung und Bereitstellung von Software anbetrifft. Wenn ich jedoch nach Softwaretechniken, Planungswerkzeugen und dergleichen gefragt werde, dann ist es eindeutig die UML. Wir sind durch meine Initiative auch der OMG, sozusagen dem Hersteller der UML, beigetreten, weil ich ganz unmittelbarer Teilhaber an der Entwicklung von UML sein wollte. Wir verwenden sie in all ihren Verästelungen für die Abarbeitung von Projekten und legen viel Wert auf ihre Verwendung unter den Mitarbeitern. Dies umfasst gleichzeitig auch ein Thema, das im Unternehmen tatsächlich gelebt wird, nämlich die Entwurfsmuster. Sie erlauben insbesondere durch einen aussagekräftigen Namen und die Darstellung über die UML eine vereinfachte Kommunikation und das Nutzen von vielfältigem Erfahrungswissen aus so vielen Projekten, dass ein Leben niemals ausreichen würde, sie alle selbst durchgeführt zu haben.
Haben Sie ein neues Steckenpferd?
Zurzeit bin ich mit dem zufrieden, was mich umgibt. Neue Technologien wie neue Sprach- und Werkzeugversionen gibt es immer. Aber jetzt gibt es außer der aspektorientierten Programmierung oder der serviceorientierten Architektur wenig Themen, die das Potenzial haben, soviel Aufregung zu verursachen wie die UML oder .NET.
Welche persönlichen Ziele haben Sie?
Es gilt das Gleiche wie bei der vorherigen Frage. Ich möchte den eingeschlagenen Wachstumsweg fortsetzen und ein gutes Zusammenarbeiten mit unterschiedlichen Altersgruppen in der Firma weiterhin aufrechterhalten. Für mich ist es gerade aufgrund des Besuchs bei anderen Softwareunternehmen, die uns auch aufgrund unserer UML-Erfahrung regelmäßig zur Unterstützung anfordern, immer wieder eine Bestätigung, bei uns auf das kameradschaftliche Zusammenwirken und die geplante und koordinierte Verwendung von neuen Technologien zu setzen. Dies soll auch weiterhin mit guter Ausbildung erfolgen und dazu führen, dass neue Technologien für unsere Auftraggeber und auch uns selbst Erfolg bringend eingesetzt werden.
Welche Ziele haben Sie für die Comelio GmbH?
Ich bin vom Typ her ein großer Visionär und habe weit reichende Pläne. Letztendlich haben sie alle zum Ziel, die Anzahl der Arbeitsstellen und dadurch auch den Umsatz zu erhöhen. Dies schließt insbesondere eine Ausdehnung der Betriebsstätten innerhalb Deutschlands wie auch in die Nachbarländer mit ein.
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